Historie

Historie Schwimmbad Ebeleben

Baden früher und heute

1. Von den Anfängen

Schaut man nun in die Goldenen Zwanziger Jahre zurück, dann kann man auch einiges Schmunzelhaftes zum Thema Baden entdecken.

Man schreibt das Jahr 1926. Ebeleben will mit aller Macht "Badeort" werden. Viele Möglichkeiten mit unterschiedlicher Qualität waren dazu vorhanden. Die Zeit gab aber den Ebelebener Teichen den Vorzug gegenüber dem Rinnebecher (heutiger Rathausteich) oder der Helbe, wie der Beitrag begründen wird. Eine Bade-Aktien-Gesellschaft wurde damals ins Leben gerufen, zwei Jahre später folgte dann auch noch die Gründung eines Ebelebener Schwimmvereins. Will man die Sparte "kurios" verfolgen, findet sich in den Überlieferungen etwa Folgendes wieder: Einige solide Ehepaare, lustige Witwen, Strohwitwer, kleine und große Gänse tummeln sich täglich an den heißen Sommertagen in den kühlenden Fluten der Helbe. In den nächsten Tagen trifft auch noch eine große Sendung Damenbademäntel ein, um die Reize der alten und jungen Damen vor den lüsternen Augen dummer Jungen zu verbergen. Da Badeanzüge zurzeit noch knapp in Ebeleben sind, wusste sich eine Schöne auch so zu helfen, um gegen die neugierigen Blicke gefeit zu sein: sie zog sich eine Bluse und eine Badehose an. Ein Bild, dass in den Illustrierten der Zeit nicht hätte schöner sein können... Leider? sollte die Freude der Badewilligen in der Helbe nur von kurzer Dauer bleiben. Die auch in dieser Zeit gegründete Fischerei-Gesellschaft legte Beschwerde ein, da das Baden in fließenden Gewässern ein Massen-Fischsterben zur Folge haben könne und damit die Volksernährung gefährdet würde. So wurde dann letztendlich die Badeanstalt in den Teichen gegründet, die sich in der Folgezeit von großer Beliebtheit auszeichnete. Sogar ein Haltepunkt der Eisenbahn wurde errichtet, um den Zustrom der Badewilligen zu verbessern.

 

Badeanstalt Ebeleben

(Foto: Archivgut Stadtverwaltung)

 

2. 1929 erhielt die junge Stadt ihre erste Badeanstalt

Die Idee, eine Badeanstalt im Idyll der Ebelebener Teiche zu errichten, lag schon länger zurück. Mit der Verleihung des Stadtrechtes im Jahre 1928 wurde der Ruf nach einem Bad aber lauter. Im Januar des Jahres 1929 hatten sich dann erstmals zahlreiche Wassersportfreunde auf dem Ratskellersaal eingefunden, um über das Vorhaben zu sprechen. Interessenten gab es übrigens auch aus Schlotheim, Holzsußra und Rockensußra. In der Folge kam es im März des gleichen Jahres zur Gründungsversammlung des Schwimm- und Rudervereines in dem damaligen „Gasthaus zum Löwen" in der Hauptstraße. Schnell waren über 90 Mitglieder in den Verein eingetreten. Schon im April waren die Arbeiten voll im Gange, wurden die Teiche abgelassen und der Schwimmbassin gereinigt. Die Badeanstalt wurde gedielt. Dem Bauunternehmer Otto Eckleben war es zu verdanken, der in diesen schlechten Zeiten, wir schreiben das Jahr der Weltwirtschaftskrise, das Wagnis des Baues der Badeanstalt übernahm. Ende Mai wurden die Abzeichen aus Stoff an die Mitglieder des Vereins ausgegeben, die diese für 20 Pfennig pro Stück erwerben konnten.

Durch den Bau der Gartenwirtschaft an der Teichmühle wurde die Badeanstalt zur Zierde der Teiche. Am 16.Juni erschienen nun die Schwimmvereine aus Sondershausen, Mühlhausen und Schlotheim, um gemeinsam mit dem Ebelebener Schwimm- und Ruderverein vom Markt aus nach der festlich geschmückten Badeanstalt zu ziehen. Dort dankte der Bahnverwalter Hobeck als erster Vorsitzender des Vereins der Stadtverwaltung für die finanzielle Unterstützung, Pfarrer Haase aus Rockensußra hielt die Weiherede.

Auf diese Art und Weise geriet die alte Teichmühle, deren Mühlrad sich schon etliche Jahre nicht mehr drehte, in den Brennpunkt des sportlichen und kulturellen Lebens. Seinerzeit stand auf dem Türpfosten der Teichmühle der alte Sinnspruch: "Gott nehme dieses Haus in seine Hut und bewahre es vor Feuers Glut."

Zu den wassersportlichen Vorführungen des Nachmittages gehörte ein Wettkampf der Gastvereine von Staffeln über 10 mal 50 Meter der Herren und 4 mal 50 Meter der Damen. Von dem drei Meter hohen Sprungbrett führten acht Herren ihre Künste vor, was die vielen Ebelebener Zuschauer begeisterte. Auch ein Kampf der Wasserballmannschaften von Sondershausen und Mühlhausen fand reges Interesse. Den Abschluss des Festes bildete ein Feuerwerk, das sich mit seinem Spiegeln im Teich, auf dem mit Lampions geschmückte Gondeln fuhren, prachtvoll ansah. Anschließend tanzte man bis Mitternacht im neuen Saale.

Doch es gab auch Gegner der Badeanstalt. So kursierte im September 1929 das Gerücht im Ort, dass der Teich typhusverdächtig sei. Deshalb musste Prof. Dr. Emmerling, vereidigter Gerichts- und Handelschemiker aus Sondershausen, eine Analyse über die Wasserqualität durchführen, dessen Ergebnis „vorzüglich" lautete.

In den Annalen der 30-er Jahre war zu lesen, dass der als Schwimmbad hergerichtete Teich ein beliebtes Ausflugsziel der Ebelebener war. Dem Badelustigen standen die Badezellen im Gasthaus zur Verfügung und die Freunde des Ruderns und Paddelns konnten sich Boote ausleihen. Und am Abend, wenn aus dem Tanzsaal des Gasthauses die Musik über die Teiche schwebte, soll es am, auf und im Wasser recht romantisch gewesen sein. Überraschte aber ein Regen die Ausflügler, so wurden die Schuhe ausgezogen, die Hosen hochgekrempelt und dann wurde durch den aufgeweichten Boden nach Hause gewatet.

Leider endete mit dem zweiten Weltkrieg der Badebetrieb in den Teichen, obwohl es immer wieder Bestrebungen gab, den Badebetrieb hier in DDR-Zeiten wieder aufzunehmen.

Mit der Planung des Schwimmbades westlich des Schlossparks in den 60-er Jahren, es wurde 1968 eröffnet, war dieses Thema dann endgültig vom Tisch, die Gaststätte „Teichmühle" steht seit den 80-er Jahren nicht mehr. Was bleibt, ist ein Hauch von Nostalgie.

 

3. Die Errichtung des Schwimmbades

In den sechziger Jahren stand dann der Wunsch der Bevölkerung zur Diskussion, ein Naherholungszentrum in der Nähe des Schlossparks zu schaffen. Es entstand das Schwimmbad, welches viele Gäste als eines der schönsten seiner Art in der Umgebung loben.

Oswald Busch, damaliger Bürgermeister, war Mitte der 60-er Jahre ab und an Gast im Unterricht der damaligen Polytechnischen Oberschule. Aus dieser Zeit gibt es die Anekdote, dass er von den Kindern der Schule wissen wollte, was sie sich bauen würden, wenn sie Bürgermeister wären. In den entsprechenden Aufsätzen sei zu 80 % zu lesen gewesen, dass sich die Kinder ein Schwimmbad wünschten. Aufgrund der staatlichen Reglementierung war ein solches für unsere Stadt allerdings noch nicht vorgesehen. Und wie es zu DDR-Zeiten üblich war, machte die Not erfinderisch.

Seinerzeit war immer vom „Vitamin B" (für Beziehung) zu hören. Für das gemeinsame Projekt wurden von vielen, die über „Vitamin B" verfügten, die entsprechenden Fühler ausgestreckt. Kontakte gab es bis in die Hauptstadt Berlin. Der Spatenstich erfolgte dann am 18. April 1966. Natürlich war die Euphorie am Anfang besonders groß, aber nach den ersten Wochen ebbte diese ab, die Helfer wurden weniger. Vielen der Enthusiasten war die Zeit bis zum ersten Sprung ins kühle Nass einfach zu lang. Deshalb suchte die Stadt Ebeleben Hilfe in der Region. In den Besprechungen mit den Nachbarorten wurde um Unterstützung gebeten. Betriebe aus Ebeleben und der Umgebung arbeiteten nun gemeinsam an dem Projekt für die Region. Insbesondere seien die LPG aus den Nachbarorten genannt, die die Fahrzeuge zum Materialtransport zur Verfügung stellten. Viele Familienväter bauten das Bad für ihre Kinder. Denn es ging darum, dass die Kinder das Schwimmen lernten und das Bad für den Schulsport nutzen konnten. Viele Betriebe des Ortes haben unentgeltlich ihre Leistungen zur Verfügung gestellt, Privatpersonen spendeten Geld. Die damals in der Region stationierten sowjetischen Soldaten wurden ebenfalls um Unterstützung gebeten und konnten so mit ihrem Militärgerät für einen äußerst zivilen Zweck gute Dienste leisten. Mit Bagger- und Planierungsarbeiten hatten die Armeeangehörigen einen wichtigen Beitrag zum Gelingen des Projektes gegeben. Nicht vergessen werden dürfen die Schüler, die Altstoffe und Heilkräuter für ihr Bad sammelten. Schritt für Schritt oder besser Woche für Woche nahmen das Becken und die Nebenanlage die Formen an, die vorab aufs Papier gebracht worden waren. Im Rahmen des NAW (Nationales Aufbauwerk) leisteten viele Bürgerinnen und Bürger jeden Alters unentgeltliche Stunden für das Entstehen des Bades. In der Gemeinschaft festigte sich das Verhältnis auch zu den Nachbardörfern.

Zur feierlichen Eröffnung des Bades am 21. Juli 1968 kamen tausende Menschen. Angeführt von zwei Spielmannszügen zogen die Erbauer sowie Gäste durch die Stadt in das geschmückte Bad.

Legendär sind die Schwimmwettkämpfe von Erfurter und Berliner Sportlern, die gegen Aufbauhelfer aus dem Ort schwammen, die sich durch viele ehrenamtliche Stunden ausgezeichnet hatten. Aber auch Vorführungen der Kunstspringer aus Berlin sind sicher bei den damaligen Besuchern in Erinnerung geblieben. Und mit etwas Stolz ist immer im Gedächtnis geblieben, dass mit Roland Matthes ein späterer vierfacher Olympiasieger, zigfacher Weltmeister und Weltrekordler an der Eröffnung teilnahm und die Wettbewerbe über 100 Meter Rücken (seiner Spezialdisziplin) und 100 Meter Delphin gewann.

 

4. Zur aktuellen Entwicklung

Nun sind über vierzig Jahre vergangen. In den zurückliegenden Jahren ist vieles Stück für Stück zur Verschönerung der Anlage getätigt worden. Ob man z. B. die Beachvolleyballplätze, die Rutsche oder die zahlreichen Spielgeräte sieht oder das schon länger existierende Planschbecken. Im Bad gab und gibt es mit dem Kiosk eine Verkaufseinrichtung. War es früher ein separates Gebäude, so ist dieser heute in den Gebäudekomplex integriert und sorgt so für die Verpflegung der hungrigen Badbesucher.

Leider haben alle unmittelbar benachbarten vier Bäder in Schlotheim, Holzsußra, Menteroda und Schernberg in den Jahren nach der Wende aufgrund der Kostenexplosion geschlossen. Umso mehr liegt die Verantwortung nun auf der Stadt Ebeleben, diesen Naherholungskomplex für die gesamte Region weiter zu betreiben. Und das fällt, in Anbetracht der Tatsache, dass die Gelder einzig und allein aus Ebelebener Haushaltsmitteln aufgebracht werden müssen und der tagtägliche Badbetrieb bei gestiegenen Nebenkosten in der Saison erhebliche Defizite verursacht und über die Eintrittsgelder bei weitem nicht refinanziert werden können, nicht leicht.

Aber der Stadtrat hat die Betreibung des Schwimmbades zu seiner wichtigsten freiwilligen Aufgabe gemacht. Insbesondere die Nutzung für die Kinder und Jugendlichen im Rahmen des Schwimmunterrichts stellt einen Vorteil für den Schulstandort Ebeleben dar. Aber auch die Werktätigen und die Senioren können von der schönen Anlage profitieren, indem sie diese in der Freizeit zur Erholung nutzen. In diesem Zusammenhang sei die gute Arbeit im Schwimmbad um die langjährigen Schwimmmeister, zunächst Karl- Heinz Ringer, viele Jahren darauf Dieter Funke und nun durch Kai Burkhardt und Gabriele Gräfe, erwähnt. Wer mit offenen Augen über das Gelände geht, sieht, dass diese Anlage von den Schwimmmeistern und ihren Mitarbeitern mit viel Liebe gepflegt wird. Als Bürgermeister der Stadt Ebeleben kann ich allen Stolzes schreiben: Wir sind froh, dass wir das Schwimmbad haben und werden alles Mögliche tun, damit dieses Kleinod weiterhin für unsere Bürgerinnen und Bürger bzw. Gäste geöffnet bleibt. In diesem Sinne wollen wir das Werk unserer Väter weiter pflegen.

Auch wenn die Eintrittspreise gestiegen sind, die Preise von 20 Pfennigen für eine Kinderkarte schon viele Jahre Geschichte sind, ist der Besuch des Schwimmbades noch relativ preiswert. Das Kleinod im Westen Ebelebens, welches zwischen 1966 und 1968 mit vielen unentgeltlichen Stunden freiwilliger Helfer gebaut wurde, gehört zum Stolz der Ebelebener, und das mit Recht!

Text: Uwe Vogt